Über Schläudergänge in der Partnerschaft und warum Paarberatung und Paartherapie ohne Partner*in möglich sind

 

Konflikte gibt es in jeder Partnerschaft.

Auch solche, die sich einfach nicht maximal zufriedenstellend lösen lassen. Bei allem Drehen und Wenden.

Ein Unterschied zwischen glücklichen und unglücklichen Paaren ist die Weise in der die Partner*innen mit (unlösbaren) Konflikten umgehen.

Glückliche Paare diskutieren eher als zu streiten (hier habe ich über den Unterschied zwischen Streiten und Diskutieren geschrieben).

Und sie versuchen, ihre Probleme nicht in den Momenten miteinander zu lösen, in denen sie gestresst sind.

Das führt uns meistens eher in den emotionalen Keller als zu einer konstruktiven Lösung (in meinem "Hafencafé" geht immer wieder auch um diesen Punkt).

 

Unter Stress sollten wir vermeiden:

  • offene Konfliktpunkte klären zu wollen
  • die großen Themen auf den Tisch zu legen
  • Verletzungen aus der Vergangenheit zum Thema zu machen

Denn dann landen wir dort, wo wir eigentlich überhaupt nicht hinwollen: bei den Anschuldigungen, bei den Verallgemeinerungen und den Abwertungen.

Wie im Schleudergang der Waschmaschine weiß hinterher keine*r mehr, wo oben und wo unten ist.

Voller Knitterfalten stehen wir da.

Wie lassen sich diese denn dann wieder glatt bügeln?

Und, dass es beim Schleudergang auch den Kindern schwindelig werden kann, bekommen wir erst mit, wenn der Wirbel vorbei ist.

 

Manchmal bemerken zwei Menschen, dass sie als Paar immer wieder in solche Schleudergänge und Abwärtsspiralen hineinrutschen.

Oder: Dass eine gemeinsame Richtung fehlt.

Dass ein Paket aus vielen kleinen Hürden aus dem Alltag die Partnerschaft belastet.

Vielleicht auch, dass ein großer Stolperstein aus der Vergangenheit irgendwie nie richtig abgehakt wurde.

Manchmal stehen dahinter unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und nach Distanz. Und die Frage, wie mit diesen dauerhaft so umgegangen werden kann.

 

Häufig haben beide dasselbe Ziel: weniger Streit und Stress in der Partnerschaft. Stattdessen mehr von der entspannten und erfüllten Zeit miteinander.

Als Liebespaar.

Und auch als Elternpaar mit den Kindern.

 

Und manchmal wählen zwei Menschen verschiedenene Wege.

Eine*r möchte sich auf den Weg machen, durch eine Paarberatung oder eine Paartherapie.

Und die Partnerin oder der Partner möchte das vielleicht nicht. Oder jetzt gerade nicht.

Oder aber: eine*r möchte sich so oder so gerne alleine umsehen.

Auf die eigene Beziehungsbiografie schauen. Schauen, ob es überhaupt möglich sein kann, miteinander eine glückliche und lebendige Partnerschaft zu führen.

Und darauf, was der eigene Beitrag sein könnte, um wieder in die gewünschte Richtung zu rudern.

 

All das ist in Ordnung.

 

Paarberatung und Paartherapie sind auch ohne Partner*in möglich. Das ist bei mir in der (Online-) Praxis so. Und einige Kolleg*innen bieten diese Variante auch an.

 

In Bezug auf den Schleudergang der Waschmaschine, den Streit, wie ich ihn zu Beginn des Textes beschrieben habe: Da geht es beispielsweise um Prozesse, die sich wechselseitig verstärken.

Auf einen Vorwurf folgt meist der nächste, dann  Rechtfertigungen, die zu nichts führen als am Ende alleine dazustehen.

Diese Schleudergänge können die emotionale Basis eines Paares ganz schön ankratzen.

Ja. Dieses Wechselspiel wird von beiden gemeinsam gestaltet.

Und gleichzeitig kann es von EINER Person unterbrochen werden.

Wenn eine*r etwas verändert, verändert sich Vieles.

 

Dass eine*r (erst einmal) mehr investiert, ist normal. Das ist manchmal auch der Fall, wenn in der Paarberatung und Paartherapie beide Personen anwesend sind.

Vielleicht ist es möglich es so zu sehen: es ist weniger wichtig, WER die ersten Schritte geht. Sondern DASS es weitergeht.

Denn in der Partnerschaft ist es wie beim Tennis-Doppel: gewinnen geht nur gemeinsam.

 


Dies ist das Blog des Halthafens.

 

 

Meine Texte ergeben sich aus der Beschäftigung mit psychologischer und systemischer Literatur und Forschung, meinen Erfahrungen in der Paarberatung und Paartherapie mit Eltern in meiner Praxis in Darmstadt und online sowie aus meinem Leben als Mama von zwei Kindern. Wenn du über neue Texte informiert werden magst, folge mir gerne auf Instagram oder trage dich gern für meinen Newsletter ein.