Von den (Ton-) Höhen und Tiefen des Familienlebens - Wie wir Musik als Eltern nutzen können

Mit einem meiner Kinder saß ich immer wieder in Musikkursen.

Melodien für Babys.

Singen mit Kleinkindern.

Instrumente bauen mit Vorschulkindern.

 

In manchen Musikkursen wird gesungen: "Meine Ohren können hören - oh wie schön".

Wenn die Kursleiter*innen die Aufmerksamkeit der Kinder haben wollen.

Oder es werden Anziehsongs gesungen. Und Aufräumlieder.

Lieder in dieser Art kennen die meisten von uns.

Fürs Schlafengehen. Fürs Zähneputzen.

Lieder werden genutzt. Um potentiell herausfordernde Situationen und Übergänge im Alltag für alle zu erleichtern.

Und um was Schönes draus zu machen.

 

Und meines Erachtens nach ist noch mehr möglich mit Musik...

 

Im Alltag mit unseren Kindern sind wir manchmal gestresst, gelangweilt oder genervt.

Unser Fenster ist eher schmal ist, in das Stress und Freude passen.

Manchmal - oder oft.

Je nachdem welche Eigenschaften wir haben und was wir erlebt haben.

 

Statt den Stolz zu teilen. Über die selbst geschriebenen Geschichten im Notizheft, schicken wir die Kinder weg... sie sollen lieber draußen spielen.

Kein Platz für Freude.

 

Statt dem Kind noch einmal zu zeigen, wie das mit dem Schleife binden geht, weil vielleicht der Frust des Kindes dazwischenkommen könnte, meckern wir schroff: „Jetzt ist keine Zeit.“

Kein Platz für Stress.

 

Eine entscheidende Rollen spielen hier auch die Rahmenbedingungen unseres Alltags.

Der Job. Bring- und Abholzeiten. Schulbeginn morgens. Termine am Nachmittag. Die Großeltern zu weit weg. Kein*e Babysitter*innen zu finden.

Und so weiter.

Im Leben als Familie erleben wir unter ungünstigen Bedingungen erst recht Phasen, in denen wir morgens schon auf den Abend schielen.

Und uns durch den Alltag schimpfen.

 

Wir alle versuchen uns ständig im Gleichgewicht zu halten. Den negativen und positiven Stress auszubalancieren. Wenn wir nicht mehr gegensteuern können, weil zu den Herausforderungen des Alltags zusätzliche Belastungen kommen, dann rutschen wir aus unserem Wohlfühlbereich heraus – hinein in einen Stress-Strudel: Wir sind frustriert. Dauergenervt. Und wünschen uns weg von dort, wo wir sind.

 

Das fühlt sich nicht gut an. Schon gar nicht für die Kinder.

 

Manchmal lohnt es sich darüber nachzudenken, wo sich Aufgaben und Aufwände reduzieren lassen.

 

Vielleicht wollen wir aber trotz des Aufwandes die Freunde am anderen Ende der Stadt besuchen.

Oder aufs Auto verzichten.

Und manche Aufgaben, wie zum Beispiel der Job, lassen sich vielleicht nicht von heute auf morgen familienfreundlicher gestalten.

 

So oder so:

 

Häufig lohnt sich der Blick auf die Ressourcen, die wir nutzen, um Stress auszugleichen.

 

Zu diesen Ressourcen gehören beispielsweise Gespräche mit Menschen, die uns am Herzen liegen, essen, nach draußen an die frische Luft gehen. Und bei den Kindern insbesondere auch spielen und Bewegung (weshalb es sinnvoll ist, Kinder in ihrem Bewegungsbedürfnis stets zu unterstützen).

 

Und auch Musik gehört zu diesen Ressourcen.

 

Im Alltag hören wir viele Dinge. Wenn wir uns anschauen, was Geräusche, Melodien und Stimmen bewirken können, lassen sich Anregungen für die bewusste Gestaltung unserer akustischen Umgebung finden. Und damit ein Stück Leichtigkeit im Familienalltag.

 

Die psychologische Wirkung von Musik ist vielgestaltig:

 

Musik wirkt auf unser Gehirn, auf das zentrale und autonome Nervensystem.

Sie kann unsere Stimmung beeinflussen, uns (zur Bewegung) anregen, die Verbundenheit innerhalb der Familie stärken und Erinnerungen wachrufen.

Auch Erinnerungen an unsere Stärken.

Oder an die Ur-Verbundenheit, die wir zu Beginn unseres Lebens erfahren haben, vor unserer Geburt.

 

Durch die unterschiedlichen Wirkungen kann Musik zur Stressregulation genutzt werden. Schaut man sich das noch genauer an, so lässt sich mit Musik an drei Punkten ansetzen: Vor, während und nach einem Stress-Strudel.

 

Dies zu wissen ist das Eine.

 

Die Frage nach der Umsetzung ist häufig eine große Herausforderung.

Dafür brauchen wir Eltern den Mut, den Blick auf uns selbst zu richten.

Auf unsere Fähigkeit zur Selbstregulation. Unseren Umgang mit Stress.

Das Schöne ist: In uns schlummern viele Ressourcen.

Die wachgerüttelt werden dürfen.

Mit sanften Klängen.

Oder lauten Rhythmen.


Gemeinsam mit der Musiktherapeutin Friederike Frenzel habe ich den Kurs

"Singen statt schimpfen - Selbstregulation für die (Ton-) Höhen und Tiefen des Familienlebens"

entwickelt.


Dies ist das Blog des Halthafens.

 

Meine Texte ergeben sich aus der Beschäftigung mit psychologischer und systemischer Literatur und Forschung, meinem Praxisalltag sowie aus den Erfahrungen in meinem Leben.

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