Die Spannung des Glücks. Eine Skizze.

Die Arme ausstrecken.

Ein Stück Lebensfreude einfangen.

Die Brust weiten. Das Herz öffnen.

Die Freude reinlassen. Und das Lachen raus.

 

...Es braucht mehrere Dinge, damit Freude in unserem Alltag einen Platz haben kann.

In der Partnerschaft. Als Eltern. Und in allen anderen Bereichen des Lebens.

 

Aus der Skizze des Optimalfalls:

 

Erstens: Wir hatten als Kinder mindestens einen Menschen, der da war. Der uns geholfen hat, uns im Gleichgewicht zu halten.

Auf der Ebene des Nervensystems hängt Freude mit der Aktivierung des Sympathikus zusammen. Kinder brauchen Menschen, die ihnen dabei helfen, diese wertvolle Erregung des Nervensystem einzuordnen und auszubalancieren.

 

Zweitens: Unsere Freude ist keine Last für diejenigen, die uns am Herzen liegen.

Wir sind soziale Wesen. Und es liegt in unserer Natur, dass wir an Beziehungen größtes Interesse haben. Beziehungen in denen unsere eigene Freude im besten Falle ihren Platz haben darf.

 

Drittens: Wir haben günstige Bedingungen, die unseren Alltag einrahmen.

Beispielsweise einen Job der uns Spaß macht. Mit Kolleg*innen, die wir mögen. Wir essen, was uns stärkt.

Am Morgen, am Mittag und am Abend gibt es genug Zeit, damit die Kinder (und alle anderen Familienmitglieder) so sein können, wie sie sind: voller Tatendrang. Wütend. Aufgeregt. Oder müde.

 

Ja. Manchmal ist eine Skizze eine Skizze. Und die Realität sieht anders aus. Und sie entscheidet darüber, in welchen Farben gemalt wird.

 

Was den ersten Skizzenpunkt betrifft:

Nein. Manche Menschen können die Freude von Kindern nicht einordnen.

Kinder wollen die Welt entdecken. Und experimentieren. Da spielt Freude eine große Rolle.

Als Reaktion auf diese Exploration ist eine breite Palette an Reaktionen durch Erwachsene denkbar. Von feinfühlig, angemessen, behutsam. Und so weiter. Bis hin zu unangemessen, grob, ungünstig. Und so weiter.

 

Und wenn Kinder nicht gelernt haben, dass starke Erregung (im Nervensystem) etwas Positives sein kann, dann wird Freude als Spannung erlebt - die immer wieder wegradiert wird.

 

Zweitens: Um uns herum ist der Alltag einiger Menschen eher in dunklen Tönen gefärbt. Als in Leichtigkeit. Und es gibt Schicksalsschläge, die niemand in seiner Hand hat.

Unser natürliches Streben danach, Beziehungen auszubalancieren, führt manchmal dazu, dass wir uns (dauerhaft) dorthin anpassen.

 

Und wenn drittens die Rahmenbedingungen unseres eigenen Lebens ungünstig sind, dann legt sich der Stress wie ein Grauschleier über den Alltag.

 

Zeichnungen lassen sich mit Hilfsmitteln gestalten.

Ähnliches gilt für unsere Fähigkeit zur Freude.

Und je nachdem, an welchen Dingen es hängt, gibt es verschiedene Hilfsmittel.

 

Manchmal ist es ein Hilfsmittel, Widersprüchlichkeiten aushalten zu lernen:

 

Vielleicht ist dein*e Partner*in unglücklich im Job. Und du hast deine Berufung gefunden.

Vielleicht haben deine Eltern gesagt, dass erst die Arbeit kommt. Dann das Vergnügen. Und du bist arbeitslos.

Vielleicht kann deine Schwester keine Kinder bekommen. Und du hast Zwillinge.

Vielleicht hast du ein Kind, das nicht vollständig hören kann. Und deine Leidenschaft ist die Musik.

 

Du kannst mitfühlen und gleichzeit dein eigenes Glück genießen.

Du darfst dich freuen.

Und ja: die Spannung des Glücks zwickt und schmerzt manchmal.


Dies ist das Blog des Halthafens.

 

Meine Texte ergeben sich aus der Beschäftigung mit psychologischer und systemischer Literatur und Forschung, meinem Praxisalltag sowie aus den Erfahrungen in meinem Leben.

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