Von Transparenz und Trampeltieren. Wie transparentes Arbeiten aussehen könnte...

Wenn eine Herde von Trampeltieren rennt, sollten wir aus dem Weg gehen.
Denn unter die Hufen zu kommen, kann uns verletzen.

Vielleicht hast du mal etwas Ähnliches erlebt:

Auf deine Frage nach der Diagnose bekommst du keine Antwort.
Dein*e Therapeut*in stellt eine Gegenfrage: warum du das denn wissen möchtest.***

Richtig wohl fühlst du dich nicht mit deinem*r Berater*in. Weil du dir für euch als Paar Lösungen erhoffst, gehst du trotzdem hin. Beim letzten Termin, erfährst du, welche Möglichkeiten es noch gibt.***

Du hast mit deinem Kind Termine wahrgenommenen. Und dann flattert dieser Brief ins Haus. In dem Diagnosen stehen, die du noch nie gehört hast. Und Fachbegriffe. Die dir Sorgen machen. Die dein Kind und euch als Familie betreffen. Und dir keiner erklärt hat.***

... immer noch werden immer wieder grundsätzliche Dinge übergangen:

Das Recht auf Information und Aufklärung. In Bezug auf die Dinge, die dich betreffen. Oder deine Kinder.
Das Recht auf Selbstbestimmung.
Das Bedürfnis zu erfahren, wie die Abläufe sind.
Das Bedürfnis nach Respekt und Fairness, wenn du Fachleuten Vertrauen entgegen bringst.

Vertrauensvorschüsse auf der einen Seite. Vertrauensbrüche auf der anderen Seite.

Wo ist die Transparenz geblieben?

Transparenz als Wert. Und als Basis von Vertrauen.
Wir brauchen keine Trampeltier-Mentalität. Sondern mehr Transparenz im Umgang miteinander.
Sie ist meines Erachtens nach großer Teil echter Professionalität in allen Arbeitsfeldern von Psychologie, Psychotherapie und Medizin.

Transparenz sollte das gemeinsame Arbeiten von Beginn an und bis zum Schluss durchziehen.


Was heißt das praktisch?


Offen miteinander sprechen.
Über Möglichkeiten und Alternativen.
Es führt niemals nur ein Weg ans Ziel.
Was die therapeutischen Ansätze betrifft: es gibt Unterschiede. Je nach Ansatz werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Es geht darum, zu finden, was für dich passt. Insbesondere mit einer Person, die passt. Eine Person, mit der du dich wohlfühlst.


Offen miteinander sprechen.
Über die fachlichen Grenzen. Kein Mensch kann alles wissen. Oder können. Das gilt auch für Fachleute aus Psychologie, Therapie, Medizin.

 

Offen miteinander sprechen.
Über Einschätzungen und Entscheidungen. Die dich betreffen. Oder dein Kind. Diagnosen zum Beispiel. Es ist dein Recht. Es ist euer Recht.

 

Offen miteinander sprechen.
Über Prozesse. Zum Beispiel die Art und Weise, wie die Infos zu dir kommen.

Nein. Absolute Transparenz kann es nicht geben.
Muss es auch nicht.
Ich kann nicht wissen, was jemand an dieser Stelle braucht: welche Infos es sind, die meine Arbeit für jemanden transparent machen.
Die Haltung macht den Unterschied.
Denn dann überprüfe ich als Fachperson immer wieder, ob die gemeinsame Arbeit stimmig ist. Ob das Angebot noch passt. Ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ob noch Infos fehlen. Oder etwas anderes.
Durch Nachfragen. Immer mal wieder. Eher einmal mehr als einmal weniger.
Und dafür liegt die Verantwortung immer bei den Therapeut*innen.
Das ist Teil der Verantwortung für den Prozess.

Und Trampeltiere sind tolle Tiere. Nur sollte eben niemand unter die Hufen kommen.



***Es gibt viele, viele Kolleg*innen, die sich hier nicht angesprochen fühlen werden, weil sie wertschätzend und mit dem allergrößten Fingerspitzengefühl arbeiten.

 


Dies ist das Blog des Halthafens.

 

Die Ideen für meine Texte ergeben sich aus der Beschäftigung mit psychologischer und systemischer Literatur und Forschung, aktuellen Diskussionen sowie insbesondere auch aus den Erfahrungen in meinem Leben.

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