Über den Umgang mit Rissen: vergolden statt verstecken

Kintsugi ist eine japanische Methode zerbrochene Keramikgegenstände zu reparieren.
Zum Beispiel Schalen. Oder andere Haushaltsgegenstände. Bruchstücke werden mit Lack geklebt, in den Gold, Silber oder Platin eingearbeitet ist. Dadurch entstehen aus Macken neue Deko-Effekte.

Teile mit Rissen und Brüchen werden zu Kunstwerken.


Diese Kunst ist so wundervoll. Was für eine Haltung gegenüber dem Unperfekten, welche Würdigung!
Wenn noch etwas fehlt, dann ergänze ich. Mit dem allergrößten Respekt der Sache gegenüber.
Wenn etwas kaputt gegangen ist, repariere ich es. Und zeige es voller Stolz.
An was erinnert mich das?
Eine Art des Umgangs miteinander und mit uns selbst:
Dass wir uns in unserer Partnerschaft genau so begegnen können: ergänzen statt bekämpfen.
Dass wir unsere Kinder so begleiten können: Helfen statt heruntermachen.
Dass wir mit uns selbst so umgehen können: Risse gehören dazu und dürfen stolz präsentiert werden statt sie schamvoll zu verstecken.
 
Menschliche Bruchstellen. Äußerlich. Oder innerlich.
Ist das Ausmaß der Verletzung oder Überforderung zu hoch, macht es an einer Stelle „knacks“.

In diesem Zusammenhang sind dann auch endlich die Sätze "einen Knacks haben" oder "einen Sprung in der Schüssel haben" mehr als ok. Wo ist der Goldlack?

 

Lies mal mit deinem Kind den "Hasen mit der roten Nase" von Helme Heine. Der Hase kriegt es wunderbar hin, seine Schwächen zum Allerbesten für sich zu nutzen.


Was sind deine Seiten, die du für eine Schwäche hälst?

Was ist in dir Zerbrochen und kann einen würdigenden Goldanstrich gebrauchen?

 


Dies ist das Blog des Halthafens.

Die Ideen für meine Texte ergeben sich aus der Beschäftigung mit psychologischer und systemischer Literatur und Forschung, aktuellen Diskussionen sowie insbesondere auch aus den Erfahrungen in meinem Leben.

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