Die leise Königsdisziplin der Liebe zeigt sich für Elternpaare, wenn nichts mehr zu lösen ist

Viele Paare berichten in der Paartherapie online, in Darmstadt oder auch in der Paartherapie Frankfurt, dass ihre Unterschiede und Schwierigkeiten nicht plötzlich aufgetaucht sind. Sie waren schon immer da – manchmal dezent, manchmal auch deutlich spürbar. Ein distanzschaffendes Muster hat sich womöglich früh abgezeichnet, ließ sich im Alltag der ersten Beziehungsjahre aber noch gut ausgleichen.

 

Vor den Kindern: Als Nähe und Distanz noch leichter auszubalancieren waren

Zu Beginn der Beziehung und ohne Kinder war manches einfacher:

Nach einem Streit, in dem beide nur gesehen und verstanden werden wollten – und dabei vielleicht auch Worte fielen, die eigentlich niemand sagen wollte – konnten sich beide erst einmal zurückziehen. Jede*r hatte Raum, in der eigenen Wohnung zur Ruhe zu kommen, durchzuatmen und den Kopf frei zu bekommen.

Unterschiedliche Bedürfnisse ließen sich besser arrangieren: Wer mehr Nähe suchte, fand sie im Austausch mit Freund*innen. Wer mehr Freiraum brauchte, konnte allein spazieren gehen, mit der Band Musik machen, lesen oder sich im Sport verlieren. Die Beziehung musste weniger tragen – vieles konnte auf andere Weise aufgefangen werden.

 

Und dann werden aus Paaren Eltern und unausweichliche Themen zeigen sich

Wenn aus Paaren Eltern werden, verändert sich das Miteinander grundlegend. 

Der Alltag mit Kindern bringt unzählige Herausforderungen mit sich – und die gegenseitigen Abhängigkeiten werden deutlich spürbarer. In den Jahren mit jungen Kindern ist die Belastung hoch, die Zeit knapp, und am Ende eines Tages bleibt oft die Erkenntnis: Ich habe nicht alles geschafft.

 

In jeder Liebesbeziehung begegnen Partner*innen Herausforderungen, die sich nicht vollständig „lösen“ oder vollständig auflösen lassen.

Das sind Probleme, die sich daraus ergeben, dass unterschiedliche Lebensgeschichten, Bindungserfahrungen, Bedürfnisse und Sichtweisen aufeinandertreffen – und grundlegende Unterschiede in Persönlichkeit, Werten oder emotionalem Erleben bestehen.

 

Unlösbare Konflikte gehören zur Liebe dazu – wie der Wind zum Wetter. Tatsächlich ist sogar ein großer Teil an Konflikten in Beziehungen unlösbar. 

Entscheidend ist nicht, ob ein solches Problem verschwindet, sondern wie wir damit umgehen, wenn wir gemeinsam glücklich bleiben wollen.

 

Elternsein bringt das Unlösbare ans Licht

Wenn aus Paaren Eltern werden, vermehren sich diese unlösbaren Themen oft spürbar:

  • Wer steht nachts auf, während alle genug Schlaf abbekommen sollten?
  • Wie viel Nähe braucht das Kind – und wie viel wir als Paar?
  • Wie balancieren wir die Aufgaben in der Begleitung der Kinder, im Haushalt und in den Jobs?
  • Wie oft darf unser Kind ans Tablet?
  • Muss heute wirklich geputzt werden?
  • Wie gehe ich mit Stress um - und wie gehst du mit Stress um?

Das Elternsein wirft uns mitten hinein in Situationen, die sich nicht “perfekt” klären lassen, sondern immer wieder neu ausgehandelt werden wollen. Es gibt dabei oft kein eindeutiges Richtig oder Falsch – nur unterschiedliche Perspektiven, geprägt von persönlichen Werten, inneren Bildern und früheren Erfahrungen (aus der eigenen Kindheit, aus Freundschaften und Liebesbeziehungen).

 

Unsere gesellschaftlichen Strukturen machen es Paaren schwer. In unserem westlich geprägten Lebensmodell, das auf die Kleinfamilie als Grundeinheit setzt, leben zwei Elternteile mit einem oder mehreren Kindern in einem eigenen Haushalt. Sie tragen die Begleitung der Kinder, ihre Jobs, den Haushalt, ihre Freundschaften und persönlichen Bedürfnisse – manchmal auch Haustiere oder Ehrenämter – oft ohne ein tragendes Netzwerk im Alltag.

Unter diesen Bedingungen ist es schlicht nicht möglich, allem gerecht zu werden. Schon gar nicht der eigenen Liebesbeziehung.

 

Und was passiert in uns, wenn wir in solchen Situationen leben?

Unsere Gefühle melden sich:

 

Zerrissenheit.

Hilflosigkeit.

Ohnmacht.

Manchmal auch tiefe Trauer.

 

So, als wollten diese Gefühle sagen:

"Ich kann es nicht schaffen – und das zu erkennen tut weh."

„Der Alltag lastet auf meinen Schultern – ich brauche eine Schulter zum Anlehnen.“

„Für uns beide gibt es so wenig Platz. Ich vermisse uns.“

 

Die Königsdisziplin: Seite an Seite aushalten, was nicht zu ändern ist

Und so werden manche Erfahrungen zu einer Chance – weil sie uns etwas über die wahre Königsdisziplin in Beziehungen zeigen:

Wie gehen zwei Menschen miteinander um, wenn es nichts mehr zu tun, zu lösen oder herumzureißen gibt?

Was wenn ich selbst ohnmächtig bin, die Lage nicht ändern kann - weder für mich noch für dich? 

Wenn das Einzige, was bleibt, das gemeinsame Aushalten dessen ist, was ist?

 

Dann zeigt sich, ob es gelingt, nicht nur gemeinsam Probleme zu lösen, sondern auch das Unlösbare miteinander auszuhalten.

Ob eine Verbindung trägt – auch dort, wo Worte nicht mehr helfen, wo Pläne und Lösungen versagen.

Was bleibt, ist das Miteinander: roh, ehrlich, menschlich.

 

Alltägliche Erschöpfung – oder existenzielle Erschütterung

Dieses Lernfeld wird besonders spürbar in Situationen, die leise und stetig an den Kräften von Eltern zehren:

  • Wenn ein Kind über Monate schlecht schläft.
  • Wenn ein Elternteil krank ist.
  • Wenn ein Kind besondere Bedürfnisse hat und der Alltag kaum Luft lässt.
  • Wenn eine*r beruflich stark eingespannt ist – und die andere Person den Familienalltag zu großen Teilen alleine stemmt.
  • Wenn es keine gemeinsamen Pausen und Freuden mehr gibt, nur noch Funktionieren.
  • Wenn die Sehnsucht nach Nähe wächst, aber im Strudel des Alltags kein Raum dafür bleibt.

Noch deutlicher wird dieses Lernfeld für Paare, wenn Eltern mit tiefgreifenden Erschütterungen konfrontiert sind: Nach einer langen und kräftezehrenden Phase des unerfüllten Kinderwunsches. 

Wenn sie ein Sternenkind haben. Wenn sie erfahren, dass ihr Kind schwer krank ist. Oder wenn ein geliebter Mensch aus dem Umfeld gestorben ist.

 

Gerade dort, wo keine Lösung mehr greifbar scheint und wo nichts zu ändern ist, liegt eine Chance:

Die Möglichkeit, einander in der gemeinsamen Ohnmacht zu begegnen.

Nicht das Tun, sondern das stille Erleben des Unabänderlichen kann eine neue Tiefe entstehen lassen – von Herz zu Herz, jenseits aller Strategien.

 

Wenn wir spüren, dass wir uns selbst nicht helfen können – oder dem anderen nicht helfen können –

öffnet sich manchmal ein neuer Blick: Trost wohnt nicht im Verändern, sondern im Dasein.

Und manchmal ist genau das der Moment, in dem zwei Herzen sich wirklich finden.

 

In der Paartherapie sprechen wir in solchen Momenten von emotionaler Präsenz:

der Fähigkeit, innerlich in Verbindung zu bleiben – auch und gerade wenn es nichts mehr zu tun gibt.

 

Drei therapeutische Haltungen, die helfen können

In meiner Praxis für Paartherapie online, in Darmstadt und für Paare aus Frankfurt spreche ich häufig über hilfreiche Haltungen aus Psychologie und Paartherapie.

Ich möchte euch einige Konzepte vorstellen, die in solchen Momenten Orientierung geben – auch wenn sie manchmal schwer umzusetzen sind. Vor allem dann, wenn wir selbst kaum eine stabile, liebevolle Beziehung als Vorbild erlebt haben.

Am Ende nenne ich euch auch ein kurzes Video, das zeigt, wie diese Haltungen in echten Beziehungsmomenten aussehen können.

 

Validierung – das Erleben des anderen anerkennen

Validierung bedeutet, das innere Erleben der anderen Person ernst zu nehmen – und das auch zu zeigen.

Es geht nicht darum, alles gutzuheißen oder die gleiche Meinung zu haben, sondern darum zu sagen:

"Ich habe eine Idee davon, wie es für dich sein könnte. Es macht Sinn, was du fühlst. Ich sehe, dass du das gerade so empfindest – und das bewegt mich."

Gerade in herausfordernden Momenten kann das heilsamer sein als jede Lösung:

Wenn sich jemand gesehen und verstanden fühlt – ohne Druck, sich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Wenn es uns schlecht geht und unser Partner oder unsere Partnerin so tut, als wäre nichts – oder sogar sagt: „Ach, stell dich nicht so an“ – dann kann das richtig wehtun.

Es ist, als würden unsere Gefühle übersehen oder weggeschoben – dabei brauchen sie gerade dann ein freundliches: „Ich sehe dich, und ich verstehe dich.“

 

Mentalisierung – den anderen innerlich verstehen

Mentalisierung meint die Fähigkeit, sich selbst und andere als Menschen mit inneren Zuständen – Gedanken, Gefühlen, Wünschen – wahrzunehmen.

In Paarbeziehungen heißt das: Ich versuche zu verstehen, was du denkst oder fühlst – und warum du dich so verhältst.

Und genauso frage ich mich: Was geht gerade in mir selbst vor?

Ein Beispiel: 

Ein Lieblingsmensch sagt plötzlich:

„Ich brauch mal kurz meine Ruhe.“

Statt direkt verletzt zu reagieren, denkt die andere Person vielleicht:

„Vielleicht ist er überfordert oder müde?“

„Vielleicht braucht sie einfach gerade etwas Zeit, um sich zu sammeln?“

Mentalisieren heißt also: Nicht nur hören, was der andere sagt – sondern sich fragen: Was steckt dahinter?

Es geht darum:

"Ich sehe, dass du gerade etwas fühlst – auch wenn ich es (noch) nicht verstehe. Und ich halte das aus, ohne dich zu bewerten oder sofort eine Lösung zu brauchen."

 

ACT – Achtsamkeit und Akzeptanz

Auch die Acceptance and Commitment Therapy (ACT) betont:

Wir müssen nicht alles sofort verändern.

Auch unangenehme Gefühle und Schmerz dürfen da sein – ohne dass wir gleich handeln müssen.

"Wir sind hier – zusammen – mit dem, was gerade ist."

 

Manchmal sagt ein Blick mehr

Jeder noch so gute Tipp oder psychologische Ansatz sagt oft weniger darüber aus, wie emotionale Präsenz und Verbindung gelingen – als wenn wir es sehen. Wenn wir beobachten, wie jemand einfach bleibt, wenn es weh tut.

Wie jemand nicht ausweicht, obwohl keine Lösung in Sicht ist.

 

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als meine Mutter krank wurde – und besonders an den Blick meines Vaters, wenn es ihr nicht gut ging.

Wie er manchmal einfach nur dasaß, zuhörte, ihre Hand hielt – und versuchte, Trost zu spenden.

Sein Blick lässt sich schwer in Worte fassen, aber ich sehe ihn heute noch ganz klar vor mir.

Und genau dieser Blick hat mir mehr über Beziehung beigebracht als viele Worte.

 

Ein Video, das Validierung zeigt wie Validierung und Trost ganz praktisch aussehen können

Ein gutes Beispiel für diese Haltung ist ein bekanntes Video von Brené Brown, in dem sie den Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid erklärt – auf wunderbar menschliche Weise.

Sie zeigt:

Wirklich bei jemandem zu sein heißt nicht, eine Lösung anzubieten 

Es heißt, mitzugehen – runter in die Dunkelheit, ohne sie „wegmachen“ zu wollen.

Das Video findet ihr ganz leicht über YouTube, wenn ihr in das Eingabefeld schreibt: "Brené Brown: The Power of Empathy"

 

Für alle, die sich als Elternpaar wiederfinden möchten

Wenn ihr euch in diesen Themen wiederfindet– und euch in eurer Beziehung mehr Nähe und Verständnis wünscht – dann kann Paartherapie ein Weg sein, der euch neue Wege eröffnen kann. 

Ob in einer Paartherapie online, in Darmstadt oder für Paare aus Frankfurt: Ich bin gerne an eurer Seite – ich lade euch dazu ein, eure Gefühle und die Sprache eures Bindungssystems ein bisschen besser verstehen zu lernen. 

 


Bindungsorientierte Paartherapie online, DarmstadtPaartherapie Frankfurt für Paare mit Kindern:

 

Ich bin Julia Schneider und begleite als Psychologin und Paartherapeutin Eltern auf ihrem Weg in eine haltgebende Beziehung. Mein Ansatz verbindet (Online-) Paartherapie mit einem besonderen Blick auf die kindliche Entwicklung: Kinder lernen bei jedem Schritt der Eltern, wie Liebe gelingt – ohne an den Terminen teilzunehmen und ohne von Erwachsenenthemen überfordert zu werden. Ich zeige Eltern, wie das geht.

 

Wenn ihr nach „Paartherapie in der Nähe“ oder einer flexiblen Online-Paartherapie sucht, seid ihr bei mir richtig. Meine Praxis für Paartherapie im Rhein-Main-Gebiet ist digitalisiert, und ich begleite Paare deutschlandweit.

 

Basierend auf meinen Erfahrungen als Psychologin und Mama von zwei Kindern entwickle ich psychologische Kinderbücher, die Familien stärken können. Denn im Land der Fantasie wachsen wir über uns hinaus